Mehr Wohnraum, weniger Energie: Ein Mehrfamilienhaus intelligent sanieren

„Alte“ Fernwärme, zusätzliche Wohnungen und der Energiestandard 70 – wie das zusammenpasst, zeigt dieses Projekt: Ein Hamburger Mehrfamilienhaus aus dem Jahr 1957 wird energetisch saniert und gleichzeitig aufgestockt.
Eine alltägliche Aufgabe? Eher nicht, denn bei diesem Job im Auftrag einer Hamburger Wohnungsverwaltung spielen mehrere Herausforderungen eine Rolle. Das Motto dabei: Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz intelligent zusammenbringen!
- Nachhaltiger Ansatz: Das ältere Gebäude verwandelt sich zu einem Effizienzhaus 70. Dabei bleibt der vorhandene Fernwärmeanschluss zwar bestehen, aber dabei sinken die Systemtemperaturen (60/40 Grad). Somit verringert sich auch der Primärenergiebedarf. Im Übrigen ist die Anlage vorbereitet auf eine Einbindung von regenerativen Wärmequellen.
- Komplexe Organisation: Das Mehrfamilien-Reiheneckhaus verfügt heute „nur“ über 19 Wohnungen. Per Aufstockung entstehen drei weitere im Dachgeschoss, wobei das Ganze im bewohnten Bestand erfolgt. Deshalb werden vorhandene Leitungsnetze – soweit möglich – weitergenutzt und ertüchtigt.
- Besondere Haustechnologie: Die vorhandene (und ineffiziente) Schwerkraftheizung wird zu einer geschlossenen, hydraulisch abgeglichenen Pumpenwarmwasserheizung, die u.a. mit niedrigeren Systemtemperaturen auskommt.
Und wie geht man in einem solchen Fall vor?
Wir starteten mit einer detaillierten Bestandsaufnahme von Leitungen, Heizflächen und technischen Anlagen im Juli 2024 – wobei eines klar war: Nicht alles, was alt ist, muss automatisch weg. Stattdessen werden funktionierende Komponenten dort erhalten, wo es technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist.
Trotzdem hält ein Bestandsgebäude mitunter Überraschungen bereit. Was passiert zum Beispiel, wenn eine vorhandene Leitung doch nicht weitergenutzt werden kann? Für kritische Bereiche bereiten wir deshalb eine Neuinstallation als „Rückfallebene“ vor. Das schafft Sicherheit und hält die Planung flexibel.
Teamwork punktet
Bleibt am Ende ein Blick auf das Team. Wir arbeiten eng mit dem Architekturbüro, dem Bauherrn und dem Fernwärmeversorger zusammen. Das Architekturbüro kümmert sich unter anderem um die Gebäudehülle, die Energieberatung und die Aufstockungsplanung. Bei gemeinsamen Ortsterminen und mithilfe von Ergebnisprotokollen bleiben alle Beteiligten auf demselben Stand. Architektur und Gebäudetechnik werden nicht getrennt voneinander gedacht, sondern Schritt für Schritt zusammengeführt.
Unser Fazit:
So viel erhalten wie sinnvoll, so viel verändern wie nötig – und für mögliche Überraschungen immer eine Alternative parat haben: Auf diese Weise werden hier Wirtschaftlichkeit, Klimaschutz und Planungssicherheit verbunden. Das Gebäude aus dem Jahr 1957 wird fit für die nächsten Jahrzehnte!
Phasen 1 bis 4 im Fokus
Das Ingenieurbüro übernimmt die Fachplanung der technischen Gebäudeausrüstung (TGA) über die Leistungsphasen 1 bis 4 – von der Bestandsaufnahme über die Vor- und Entwurfsplanung bis zur weiteren Planung.
- In der Sanitärplanung geht es um die Trinkwasser- und Entwässerungsanlagen. Für die drei neuen Wohnungen wird unter anderem eine zusätzliche Schmutzwasser-Fallleitung benötigt.
- Bei der Wärmeversorgung nehmen wir die Fernwärme-Übergabestation, die Heizungsverteilung und die Raumheizflächen in den Blick. Hinzu kommen der hydraulische Abgleich und die Auslegung auf die neuen Systemtemperaturen.
- Die Lüftungstechnik wird nach DIN 1946–6 geplant, wobei die bedarfsgerechte Entlüftung der innenliegenden Räume eine wichtige Rolle spielt.
- Die Planung der Elektro- und Starkstromtechnik sowie der fernmelde- und informationstechnischen Anlagen rundet unser Leistungspaket ab.