Mehr Wohnraum, weniger Energie: Ein Mehrfamilienhaus intelligent sanieren

26.08.2026 | Blog

„Alte“ Fernwärme, zusätzliche Wohnungen und der Energiestandard 70 – wie das zusammenpasst, zeigt dieses Projekt: Ein Hamburger Mehrfamilienhaus aus dem Jahr 1957 wird energetisch saniert und gleichzeitig aufgestockt.

Eine alltäg­liche Aufgabe? Eher nicht, denn bei diesem Job im Auftrag einer Hamburger Wohnungsverwaltung spielen mehrere Herausforderungen eine Rolle. Das Motto dabei: Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz intel­ligent zusammenbringen!

  1. Nachhaltiger Ansatz: Das ältere Gebäude verwandelt sich zu einem Effizienzhaus 70. Dabei bleibt der vorhandene Fernwärmeanschluss zwar bestehen, aber dabei sinken die Systemtemperaturen (60/40 Grad). Somit verringert sich auch der Primärenergiebedarf. Im Übrigen ist die Anlage vorbe­reitet auf eine Einbindung von rege­ne­ra­tiven Wärmequellen.
  2. Komplexe Organisation: Das Mehrfamilien-Reiheneckhaus verfügt heute „nur“ über 19 Wohnungen. Per Aufstockung entstehen drei weitere im Dachgeschoss, wobei das Ganze im bewohnten Bestand erfolgt. Deshalb werden vorhandene Leitungsnetze – soweit möglich – weiter­ge­nutzt und ertüchtigt.
  3. Besondere Haustechnologie: Die vorhandene (und inef­fi­ziente) Schwerkraftheizung wird zu einer geschlos­senen, hydrau­lisch abge­gli­chenen Pumpenwarmwasserheizung, die u.a. mit nied­ri­geren Systemtemperaturen auskommt.

Und wie geht man in einem solchen Fall vor?

Wir starteten mit einer detail­lierten Bestandsaufnahme von Leitungen, Heizflächen und tech­ni­schen Anlagen im Juli 2024 – wobei eines klar war: Nicht alles, was alt ist, muss auto­ma­tisch weg. Stattdessen werden funk­tio­nie­rende Komponenten dort erhalten, wo es technisch und wirt­schaftlich sinnvoll ist.

Trotzdem hält ein Bestandsgebäude mitunter Überraschungen bereit. Was passiert zum Beispiel, wenn eine vorhandene Leitung doch nicht weiter­ge­nutzt werden kann? Für kritische Bereiche bereiten wir deshalb eine Neuinstallation als „Rückfallebene“ vor. Das schafft Sicherheit und hält die Planung flexibel.

Teamwork punktet
Bleibt am Ende ein Blick auf das Team. Wir arbeiten eng mit dem Architekturbüro, dem Bauherrn und dem Fernwärmeversorger zusammen. Das Architekturbüro kümmert sich unter anderem um die Gebäudehülle, die Energieberatung und die Aufstockungsplanung. Bei gemein­samen Ortsterminen und mithilfe von Ergebnisprotokollen bleiben alle Beteiligten auf demselben Stand. Architektur und Gebäudetechnik werden nicht getrennt vonein­ander gedacht, sondern Schritt für Schritt zusammengeführt.

Unser Fazit:

So viel erhalten wie sinnvoll, so viel verändern wie nötig – und für mögliche Überraschungen immer eine Alternative parat haben: Auf diese Weise werden hier Wirtschaftlichkeit, Klimaschutz und Planungssicherheit verbunden. Das Gebäude aus dem Jahr 1957 wird fit für die nächsten Jahrzehnte!

Phasen 1 bis 4 im Fokus

Das Ingenieurbüro übernimmt die Fachplanung der tech­ni­schen Gebäudeausrüstung (TGA) über die Leistungsphasen 1 bis 4 – von der Bestandsaufnahme über die Vor- und Entwurfsplanung bis zur weiteren Planung.

  • In der Sanitärplanung geht es um die Trinkwasser- und Entwässerungsanlagen. Für die drei neuen Wohnungen wird unter anderem eine zusätz­liche Schmutzwasser-Fallleitung benötigt.
  • Bei der Wärmeversorgung nehmen wir die Fernwärme-Übergabestation, die Heizungsverteilung und die Raumheizflächen in den Blick. Hinzu kommen der hydrau­lische Abgleich und die Auslegung auf die neuen Systemtemperaturen.
  • Die Lüftungstechnik wird nach DIN 1946–6 geplant, wobei die bedarfs­ge­rechte Entlüftung der innen­lie­genden Räume eine wichtige Rolle spielt.
  • Die Planung der Elektro- und Starkstromtechnik sowie der fernmelde- und infor­ma­ti­ons­tech­ni­schen Anlagen rundet unser Leistungspaket ab.