Wie plant man eine nachhaltige Servicewohnanlage?

“Der finale Bauantrag lag noch im Jahr 2025 vor – wie zuvor geplant.”
Ein Blogbeitrag von Christoph Schulte
100 Service-Seniorenwohnungen mit minimalen Energieverbrauch – ein Neubau in Hamburg-Rissen beeindruckt mit seiner Gebäudetechnik (inklusive einer sehr großen Solaranlage). Im Auftrag der Hartwig-Hesse-Stiftung haben wir dieses Projekt von Anfang an begleitet.
Dass es einen riesigen Bedarf an altersgerechtem Wohnraum gibt, steht für die meisten Experten längst fest – und ist kaum eine Überraschung angesichts einer dramatischen demografischen Entwicklung. Konkret fehlen bis 2035 immerhin 2 Millionen altersgerechte Wohnungen, so eine Schätzung von KfW Research. Insgesamt benötigen zu diesem Zeitpunkt immerhin 3,7 Millionen Haushalte einen barrierearmen Wohnraum!
Gemeinnützige Ziele im Fokus
Wie man dem Mangel wirkungsvoll entgegen tritt, zeigt die Hartwig-Hesse-Stiftung in Hamburg schon seit langer Zeit: Sie wurde ursprünglich 1826 von dem Hamburger Kaufmann gleichen Namens als „Witwen-Stift“ gegründet. Seit 1976 trägt sie ihren heutigen Namen. Eine Satzung schreibt fest, dass die Stiftung ausschließlich gemeinnützigen und mildtätigen Zwecken dient – und zwar durch Förderung der Altenfürsorge und Unterstützung bedürftiger Personen. Eine Vielzahl von Standorten in Hamburg zeugt von dieser ebenso wichtigen wie erfolgreichen Arbeit.
„Viele Projekte sind Meilensteine in der Stadtentwicklung“, erklärt die Stiftung auf ihrer Webseite – insofern sind wir sehr stolz darauf, dass unser Ingenieurbüro aktuell an einem dieser Projekte mitarbeiten durfte: Dem Neubau (nach Abriss) einer Servicewohnanlage in Hamburg-Rissen. Große Zahlen prägen das laufende Projekt:
- Nach Fertigstellung verfügt die fünfgeschossige Wohnanlage
- auf einer Bruttogrundfläche von über 7.000 Quadratmetern
- über 100 Wohneinheiten plus Gemeinschaftsräumen.
Was war bzw. ist unsere Aufgabe bei diesem Großprojekt?
Insgesamt sechs unserer Mitarbeitenden arbeiteten an den acht Leistungsphasen nach HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) – von der Grundlagenermittlung über die Genehmigungs- und Ausführungsplanung bis zu Objektüberwachung, wobei wir für fast alle Gewerke der TGA (außer Förderanlagen) mitverantwortlich waren.
Diverse technische Besonderheiten prägten dabei unsere Arbeit per Revit/3D – vor allem mit Blick auf die Nachhaltigkeit der Gebäude inklusive:
- Wärmepumpen,
- einer sehr großen PV-Anlage (110 kWp),
- Regenwasserrückhaltung
- sowie der Wärmerückgewinnung durch Abluftwärmepumpen.
Endergebnis: Die Servicewohnanlage erfüllt den Standard „Energieeffizienzhaus 40“ – und benötigt somit nur 40 Prozent der Energie eines vergleichbaren Referenzgebäudes.
Keine einfache Aufgabe
Darüber hinaus gab es eine Reihe von speziellen Aufgaben, denn das sehr weitläufige Gelände liegt in einem Wasserschutzgebiet, was zu hohen Auflagen rund um die Regenwasserbewirtschaftung führte. Im Übrigen gibt es lange Erschließungswege und eine Bestandsbebauung, was die Baufreiheit einschränkt.
Und das Fazit? Aus unserer Sicht ist es sehr positiv – vor allem auch, weil viel Teamwork das Projekt prägte. So erfolgte die Planung ab LP 5/HOAI im Partnerverfahren zusammen mit einem Generalunternehmer. Außerdem gab es eine gute Kommunikation mit Bauherren, Architekten und weiteren Planungsbeteiligten. Und: Der finale Bauantrag lag noch im Jahr 2025 vor – wie zuvor geplant.